Bürgermeister Krützen vollführt Kehrtwende

27. November 2019

Die von der Bundesregierung beabsichtigte Beschleunigung des Strukturwandels wird im Rheinischen Revier, zu dem die Kommunen Jüchen, Grevenbroich und Rommerskirchen zählen, zu einer Neuausrichtung der Mobilität führen. Genau die brauchen wir, wenn der Strukturwandel uns und unserer Region die Chance für eine innovative Entwicklung bieten soll. Wir müssen unsere Anreize für innovative Unternehmen, die qualitativ hochwertige Arbeitsplätze hier vor Ort schaffen bündeln und dürfen dabei den Schutz der Umwelt und des Klimas nicht vernachlässigen.

Mich erfüllen daher die neuesten Stellungnahmen des Grevenbroicher Bürgermeisters Klaus Krützen, der Abstand von dem von ihm zuvor mitgetragenen Lückenschluss L 361n zwischen Wevelinghoven und Kapellen im Grevenbroich Süden genommen hat, mit Sorge.

Die Aussage des Bürgermeisters ist mit Blick auf die zuvor breite Unterstützung durch ihn und die SPD nicht nachvollziehbar. Der Lückenschluss soll zur Entlastung der vom Durchgangsverkehr massiv belasteten Orte dienen und ist daher dringend von Nöten. Noch im vergangenen Jahr vertraten auch der Bürgermeister und die SPD in Grevenbroich vehement diese Meinung. Bürgermeister Krützen sprach davon, dass die Planungen „eher gestern als heute“ wieder aufgenommen werden müssten. Die nun vollführte Kehrtwende lässt mich zweifeln, ob der Bürgermeister mit Blick auf den Strukturwandel bereit ist, auch innerhalb der Bevölkerung umstrittene Projekte umzusetzen, die für eine zukunftsgewandte Entwicklung der Stadt von Nöten sind.

Auch bei Landrat Hans-Jürgen Petrauschke wirft der Rückzieher des Bürgermeisters Fragen auf. „Der Strukturwandel bietet uns Möglichkeiten, neue Entwicklungen anzustoßen und unsere Region weiterhin als attraktiven Lebensmittelpunkt sowie produktiven Standort für Unternehmen zu erhalten und zu stärken. Das bedingt aber die Bereitschaft zur Durchführung weiterer Infrastrukturprojekte, zur Ausweisung neuer Flächen für Industrie, Gewerbe und Wohnbebauung und somit zur Stärkung der heimischen Wirtschaft. Diese sehe auch ich in Gefahr, wenn Bürgermeister nicht klare Signale aussenden und ihre Entscheidungen zum Wohle der Kommune fällen. Der Lückenschluss stellt eine sowohl regional, wie überregional bedeutsame Verkehrsader dar und ist daher von immenser Wichtigkeit für den Rhein-Kreis Neuss und das Rheinische Revier gleichermaßen.“

Ein im Juli 2019 in Auftrag gegebenes Gutachten prüft aktuell die verkehrsberuhigende Wirkung sowohl des Lückenschlusses L 361n als auch der vom Bürgermeister befürworteten „Westtangente“. Der Landrat macht deutlich, dass dieser Alternative bereits in einem im Jahr 2007 veröffentlichten Gutachten nicht die gewünschte Entlastung von Kapellen und Wevelinghoven vom Durchgangsverkehr bescheinigt werden konnte. „Das damalige Gutachten der Bezirksregierung stellt klar, dass die Entlastung der Orte zuallererst durch den Bau der L 361n zu erreichen sei. Zudem ist zu beachten, dass es sich bei der „Westtangente“ mittlerweile nicht mehr um eine Kreisstraße, sondern um eine gemeindliche Erschließungsstraße handelt, die viel stärker durch Wohn- und Gewerbebebauung geprägt ist, als dies noch im Jahr 2007 der Fall war.  Mit dieser scheinbaren Alternative wird veralteten Konzepten neues Leben eingehaucht.“

Die Aussage des Bürgermeisters, die Ortsumgehung Noithausen sei durch den Kreis kurzfristig zu realisieren ist Bar jeder Vernunft. Weder liegen die Planungen der Strecke vor, noch können die dafür erforderlichen Schritte „kurzfristig“ unternommen werden. Den Ausbau der RB 39 zu einer S-Bahn sowie den des Radwegenetzes sehe ich nicht als geeignete Ansätze zur Lösung der konkreten Probleme der Bürgerinnen und Bürger in Wevelinghoven und Kapellen, sondern als Aufgaben, denen wir uns im Rahmen der Mobilitätswende generell stellen müssen. Es bleibt abzuwarten, ob der Bürgermeister bereit ist, diese im Sinne aller Grevenbroicherinnen und Grevenbroicher anzugehen. Gemeinsam mit dem CDU Partei- und Fraktionsvorsitzenden Wolfgang Kaiser, sowie der CDU Ortverbandsvorsitzenden von Kapellen, Maria Becker, habe ich die Gelegenheit am Rande des Bundesparteitages der CDU in Leipzig genutzt, über die Thematik auch mit Landesverkehrsminister Hendrik Wüst zu sprechen.

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